Globale Sklaverei heute
 
 
 
Globale Sklaverei heute
Eine im Oktober 2013 veröffentlichte Studie zu 162 Ländern – der Global Slavery Index (GSI) der australischen Stiftung „Walk Free“– geht von weltweit 30 Mio. Menschen in „moderner Sklaverei“ aus – trotz der Ächtung der diversen darunter fallenden Praktiken in Konventionen der Vereinten Nationen und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und des Verbots durch nationale Gesetze. Mit „moderner Sklaverei“ sind hier nicht umgangssprachlich generell ausbeuterische Arbeitsbedingungen gemeint, sondern Arbeits- und Lebensverhältnisse, die auf Freiheitsberaubung und Zwang basieren und die in vielen Fällen begleitet werden von physischer, nicht selten auch sexualisierter Gewalt, Eingriffen in die Privatsphäre bis hin zu einer nahezu vollkommenen Auslöschung derselben, tagtäglichen Erniedrigungen und, in den meisten Fällen, bitterster Armut.

Eine neue Dimension
30 Millionen Menschen – dies sind zu einem einzigen Zeitpunkt in der Geschichte mehr Menschen in Sklaverei als während der dreieinhalb Jahrhunderte des Transatlantischen Sklavenhandels in Amerika versklavt waren.
 
Eine neue Verantwortung
Vor dem Hintergrund der extrem globalisierten Warenproduktion und –vermarktung, zwischenstaatlicher Freihandelsabkommen und Handelspraktiken der Multinationalen Konzerne und Discounter, die – ohne bisherige Regelungen der Unternehmenshaftung – den ProduzentInnen in Ländern des globalen Südens ihre Existenzgrundlagen entziehen, tragen alle nationalen und supranationalen Regierungen sowie alle AkteurInnen in Wirtschaft und Gesellschaft weltweit Verantwortung. Dies schließt uns als private wie öffentliche KonsumentInnen mit ein – viele Produkte unseres täglichen Gebrauchs werden häufig unter Bedingungen von Sklaverei hergestellt: unsere Kleidung (auch Sport- und Berufskleidung), Textilien, Lederwaren und Fußbälle, unsere Handys und Computer, Teppiche und Natursteine (Küchen- und Terrassenplatten, Pflaster- und Grabsteine), etliche Genussmittel (z. B. Schokolade, Tee, Kaffee und Wein), Edelmetalle und Edelsteine u. v. m. Und riesige Anbauflächen im globalen Süden, oftmals vorher im Besitz von Subsistenzbauern und –bäuerinnen, gehen tagtäglich für den Anbau von landwirtschaftlichen Erzeugnissen für das Tierfutter und Biokraftstoffe im globalen Norden verloren. Dies führt wiederum zu Verarmung und Verschuldung vieler Menschen und ihrer Familien – ein Nährboden für Sklaverei und Menschenhandel. 
 
Menschenhandel in der EU
In den Mitgliedstaaten der EU sind Schätzungen zufolge 880.000 Menschen von Menschenhandel betroffen, davon 610.000 Menschen zur Arbeits-, 270.000 zur sexuellen Ausbeutung (nicht berücksichtigt in diesen Zahlen sind Organhandel, Pharmasklaverei, Zwangsheiraten und Zwangsadoptionen). 

Menschenhandel in bzw. nach Deutschland
Der Menschenhandel in und nach Deutschland führt auf den Straßenstrich und in die Bordelle, aber auch in die Gastronomie, die Landwirtschaft, das Baugewerbe, Privathaushalte (Hauswirtschaft und Pflege), das fleischverarbeitende Gewerbe und den Reinigungssektor. 

Menschenhandel – ein lukratives Geschäft
Der jährliche Ertrag aus Menschenhandel sowie aus Arbeits- und sexueller Ausbeutung wird auf 25 Mrd. Euro beziffert (Europaparlament, Sitzungsbericht Sonderausschuss Organisiertes Verbrechen, 2013).

Kampagne SKLAVENLOS
Die Kampagne SKLAVENLOS will aufmerksam machen auf die 30 Millionen Menschen, die HEUTE weltweit in unterschiedlichsten Formen von Sklaverei und Zwangsarbeit gefangen sind. In Filmen, Vorträgen, Diskussionsveranstaltungen, Workshops, Ausstellungen, Straßen- und online-Aktionen, die im Lauf der nächsten zwölf Monate im Saarland angeboten bzw. durchgeführt werden, sollen zum einen die Dimension und die Hintergründe globaler Sklaverei heute erschlossen, zum anderen erfolgreiche, nachhaltige Handlungsansätze vorgestellt werden, die das Ziel haben, den Betroffenen ein menschenwürdiges Arbeiten und Leben zu ermöglichen und Sklaverei in die Vergangenheit zu verbannen. Es sollen Ideen entwickelt werden, wie wir - als Zivilgesellschaft, Kirchen, Gewerkschaften, Wirtschaft und Staat, nicht zuletzt auch als VerbraucherInnen und BürgerInnen – unseren Beitrag dazu leisten können. Und es sollen Foren geschaffen werden, die Raum und Inspiration und Unterstützung bieten für gemeinsames und komplementäres Engagement, für Betrachtung, Austausch, Analyse, Reflexion, Auseinandersetzung, Entwicklung und Umsetzung.  
 
Saar-Bündnis gegen globale Sklaverei heute
Durchgeführt wird die Kampagne von dem „Saar-Bündnis gegen globale Sklaverei heute“, das mit einem ersten Treffen im Dezember 2013 seinen Anfang nahm und seitdem kontinuierlich anwächst. Bislang sind an dem Bündnis beteiligt: Aktion 3. Welt Saar, Attac Saar, DAJC (Deutsch-Ausländischer Jugendclub) Saarbrücken, DGB Rheinland-Pfalz/Saarland, ESG (Evang. Studierendengemeinde) Saarbrücken, Evang. Büro Saarland, Fairhandelszentrum Südwest, FIS (Fairtrade Initiative Saarbrücken), FrauenGenderBibliothek Saarbrücken, KAB (Katholische Arbeitnehmerbewegung) Saar, KoWA (Kooperationsstelle Wissenschaft u. Arbeitswelt, Universität des Saarlandes), Netzwerk Demokratie und Courage Saarland, NES (Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland), Ökumenisches Netz Rhein-Mosel-Saar, terre des hommes Saarbrücken, Weltladen Saarbrücken. 

Was können wir tun?
Jede und jeder von uns hat die Möglichkeit, etwas zu verändern:  
als private KonsumentInnen, in öffentliche BeschafferInnen sowie als EinkäuferInnen in der Wirtschaft können wir gezielt im Handel nach den Produktionsbedingungen fragen und bei unserem Einkauf bzw. der Vergabe darauf achten, nachgewiesen fair produzierte Waren zu kaufen;
als Unternehmen können wir über eine faire Preispolitik, entsprechende Vereinbarungen und unabhängige, unangekündigte und transparente Auditverfahren bei unseren Lieferanten den Ausschluss von Sklaverei sicherstellen;
als BürgerInnen können wir uns an unsere politischen VertreterInnen wenden sowie entsprechende Aktionen und Kampagnen des Bündnisses sowie Projekte vor Ort ideell und materiell unterstützen;   als Beschäftigte und Betriebsratsmitglieder in Unternehmen mit Standorten in betroffenen Sektoren/Ländern können wir Solidarität zeigen und Druck auf die Firmenleitungen ausüben; 
als politische Entscheidungsträger-Innen auf kommunaler, Bundes-, EU- und UN-Ebene können wir adäquate Regelungen (von der Friedhofssatzung über das Bestattungsrecht, den Verbraucherschutz und Fragen zur Unternehmenshaftung bis hin zu fairen Handelsabkommen) vorantreiben; 
als Mitglieder in Vereinen, Verbänden und Gemeinden können wir das Thema aufgreifen und uns an dem Saar-Bündnis beteiligen.  

Schule in die Freiheit
Mit Unterstützung des Ministeriums für Bildung und Kultur des Saarlands unterstützt Attac Saar seit 2013 den Bau einer Schule für ehemalige Kinderschuldknechte und –mägde und weitere ehemalige KinderarbeiterInnen in Südindien. >>http://www.attac-saar.de/cms/pages/schule-in-die-freiheit.php